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Volkstümlicher Rock
Abgehen mit den Klostertalern

 

Wie die E-Gitarre in die Berge kam: Volkstümlicher Rock

Volkstümlicher Rock ist das Ergebnis verschiedener Entwicklungen nach dem Zweiten Weltkrieg: der Erfindung des Rock'n'Roll, der touristischen Erschließung der Alpen und der verbreiteten Verfügbarkeit von Medien wie Radio, TV und Internet. Sie bedingen ein Zusammendenken von Volkstümlicher Musik mit Rock - Vorhang auf für die Klostertaler, die Alpenrebellen oder die Schürzenjäger.

Es fällt schon auf. Die beliebtesten Bands des Volkstümlichen Rock lassen sich in die Generation der um die 1960 Geborenen einordnen. Und die erleben all diese einschneidenden Veränderungen am eigenen Leib. Wie der Alpentourismus in Zillertal und Obersteiermark die Lebensbedingungen der bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts noch so entlegenen Bergregionen umwälzt. Wie die ersten Farbfernseher kommen und später die Anschlüsse ans Internet. Und wie man trotz geografischer Sonderlage durch all diese Entwicklungen auf einmal mittendrin steht in der Weltgeschichte, statt weit weg davon.

Musikalisch bedeutet "mittendrin": Bei aller Verbundenheit zu den Herkunftsregionen wirkt wie überall sonst auf der Welt eine Erfindung auf die Heranwachsenden: der Rock'n'Roll mag in manchen Gegenden etwas später eingefallen sein, an der Attraktivität von E-Gitarre und Hüftschwung ändert das nichts. Der Rock'n'Roll zieht auch diejenigen an, die als Kleinkind ihre Instrumente bereits durch die Stubenmusi erlernten.

Bedeutung für den Tourismus

esonders seit Beginn der Neunziger Jahre hat sich nun eine Richtung innerhalb der Volkstümlichen Musik etablieren können, die sich aus jener Begeisterung speist. Zu den Lieblingsbands von Markus Wolfahrt, seines Zeichens Bandleader der Klostertaler und damit einer der erfolgreichsten Gruppen des Volkstümlichen Rock, gehören Toto und Bruce Springsteen. Das hört man den Klostertalern auch an. In der so mustergültigen Besetzung Gesang, Gitarre, E-Bass, Keyboard und Steirische Harmonika spielen sie ihren "Happy-Power-Pop", der ihnen bislang 4 Platin-Alben und 17 Goldene eingebracht hat.

Die wirtschaftliche Bedeutung geht allerdings weit über den Verkauf von Tonträgern hinaus, und auch das haben sie gemeinsam mit Gruppen wie Bergfeuer, den Alpenrebellen und den Schürzenjägern. Denn auf ihren Tourneen werben die Volkstümlichen Rocker mindestens mit ihren Namen für ihre Herkunftsorte. Und wie viele ihrer Kollegen veranstalten die Klostertaler darüber hinaus alljährlich ein Sommer-Festival, im Fall der genannten Gruppe findet es in Klösterle statt. An die 15.000 Besucher und Besucherinnen strömen dorthin, eine Zahl, auf die auch der Tourismus-Verband vor Ort bauen kann.

Tradition und internationale Sounds

Wie unterschiedlich Rock und Pop in die Tradition eingebaut werden kann, das beweist das Spektrum der Volkstümlichen Rockbands: Die Alpenrebellen etwa gelten auch auf der Bühne als relativ "wilde Hunde"; die Schürzenjäger wandelten sich in ihrer 30-jährigen Geschichte von der Volksmusik-Combo zu Alpenrockern. Bergfeuer aus Südtirol dagegen entwerfen einen esoterisch-bombastischen Sound, der ihre Erdverbundenheit bezeugen soll.

Wie im Fall des Volkstümlichen Schlagers aber entsteht Volkstümlicher Rock nicht zwangsläufig in den Bergen. Sondern eben überall dort, wo bestimmte musikalische Traditionen gepflegt und schließlich mit internationalen Sounds kombiniert werden - seien diese Traditionen lokal ansässig oder ihrerseits schon importiert. So lassen sich sowohl die Kölner Bläck Föös, die hanseatischen Truck Stopp oder die Osnabrücker Scheunenrocker als Volkstümliche Rockbands bezeichnen. Ihnen entgegen stehen Gruppen, die zwar bestimmte regionale Besonderheiten in ihre Musik einflechten, sich damit aber keineswegs in Heimatbegeisterung stürzen. "Alpenrock" etwa, wie die Musik von Haindling, Hubert von Goisern oder Wolfgang Ambros mitunter bezeichnet wird, stützt sich im Gegenteil eher auf sozial- und damit auch heimat-kritische Denktraditionen.
(cb)

Weitere Meister dieser Strömung sind:

Alpenstones, Aischzeit, Blechblos'n, Gerhard Gabriel & Band, Alpen-Rocker, Zillertaler Schürzenjäger, Die Seer

Einige Schlüsselalben dieses Genres sind:

Bergfeuer: Drachenreiter [1999]
Klostertaler/ Höhner/ Truck Stop: Klostertaler/ Höhner/ Truck Stop [2001]
Schürzenjäger: Tu's jetzt [2002]
Hoi!: Blue Jeans [2002]
Alpenrebellen: Frei wie a Adler [2002]
V.A.: Alpenrock - Die Musik zur gleichnamigen TV-Sendung [2003]
Zellberg Buam: Wenn a Zillertaler tanzt [2004]
Klostertaler: Bergrausch [2004]

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